Bei Stone Temple erschien kürzlich ein super interessantes Interview von Eric Enge mit Duane Forrester, Senior Product Manager des Bing Webmaster Program. Forrester war in der Vergangenheit selbst als SEO tätig und gibt im Gespräch einige spannende Einblicke im Hinblick auf die Rankingfaktoren von Bing. Zudem berichtet er von den Vorteilen, die die Bing Webmaster Tools den Betreibern von Websites bieten.

Zu den Top 3 Rankingfaktoren gehört nach Ansicht von Forrester auch Social Media – diese Komponente liegt überraschenderweise auf Platz 2 und somit noch vor den klassischen Links, die den dritten Rang belegen. An der Spitze steht, wie auch nicht anders zu erwarten, der Content.

Warum Social Media für Bing so wichtig ist

Die enorme Bedeutung von Social Media lässt sich auf den ganzheitlichen und benutzerorientierten Ansatz, den Bing verfolgt, zurückführen. Der Fokus der Suchmaschine liegt dabei primär auf der User Experience.

Folgendes Vorgehen empfiehlt sich daher laut Forrester: Die Website sollte unter Berücksichtigung einer umfassenden und positiven User Experience erstellt und dann den Suchmaschinen zugänglich gemacht werden. Durch die nachfolgende Bewerbung der Website sollen Aufmerksamkeit und verbunden damit auch positive Signale erzeugt werden, die wiederum von der Suchmaschine wahrgenommen werden und sich auf die Bewertung der Website auswirken können.

Ladezeiten sind kein Rankingfaktor

Die Ladezeit einer Website sei für Bing hingegen völlig irrelevant und habe keinerlei Auswirkung auf das Ranking. Forrester begründet diese Tatsache folgendermaßen: Eine Website, deren Ladezeit 4 Sekunden beträgt, ist möglicherweise aufgrund ihrer inhaltlichen Qualität für den Suchenden relevanter als eine Website, deren Ladezeit bei nur einer Sekunde liegt. Daher gibt es keinen belegbaren Zusammenhang zwischen der Performance und der Güte des Suchergebnisses.

Kaum Fehlertoleranz bei der Sitemap

Bei der Sitemap hingegen schaue Bing ganz genau hin und gewähre eine Fehlertoleranz von gerade mal einem Prozent. Liegt also der Anteil an Redirects und Seiten mit den Statuscodes 404 oder 500 über diesem Toleranzwert, hat dies massive negative Auswirkungen auf den Trust, den die Suchmaschine in die Sitemap hat, wodurch diese nahezu bedeutungslos wird.

Vorteile der Bing Webmaster Tools

Die Webmaster Tools von Bing sollen dem Nutzer nach Aussage von Forrester hin durchaus Mehrwerte bieten, jedoch ist die Grundvoraussetzung hierfür natürlich, dass man entsprechend auf die zahlreichen zur Verfügung gestellten Daten reagiert und richtig damit umgeht. Ziel von Bings ist es, den Website-Betreibern durch den Austausch sinnvollen Input zu liefern, der diesen bei der Verbesserung ihrer Produkte hilft. Denn dadurch, so die Logik der Suchmaschine, kann Bing auch bessere Ergebnisse für den Nutzer liefern.

Eine Einstellung soll es zudem ermöglichen, einen Zeitpunkt für das Crawling der Seite festzulegen. Wie verbindlich diese Angabe allerdings von Bing eingehalten wird, ist nicht klar.

Das Tool Index Explorer diene dazu, eine Top-Down Ansicht der aktuellen Struktur einer Website im Bing-Index darzustellen und verdeutliche so, welche Informationen die Suchmaschine über die Website besitzt. Dank der Export-Funktion können die Daten mit der eigenen Sitemap abgeglichen und Lücken aufgedeckt werden.

Ein weiteres Tool ermögliche es, bisher noch nicht indexierte URLs direkt an Bing zu übertragen – maximal 10 pro Tag bzw. 50 pro Monat. Die so übermittelten URLs wandern direkt in den Index und erscheinen umgehend in den SERPs. Wenn die Nutzer positive Reaktionen auf die URL zeigen, obwohl es noch keine belegbaren Qualitätsindikatoren wie Backlinks gibt, bleibt es dort auch. Findet sie nicht die Gunst der Nutzer, wird sie wieder entfernt.

Fazit

Das Interview ist super interessant – aber auch extrem lang, also plant ein wenigen Zeit beim Lesen ein!

Lohnt sich aber auf jeden fall für ein paar spannende Insights in Bing und die Webmaster Tools des Google-Konkurrenten. Vor allem die Verschiebung der Prioräten (Performance ist egal, Social Media umso wichtiger) ist im Vergleich sehr interessant. Dennoch sind die Grundprinzipien der Suchmaschinenoptimierung für Google und Bing die selben. Wer also bereits sauber und umfassend arbeitet, scheint sich auf den ersten Blick nicht wirklich umstellen oder Besonderheiten beachten zu müssen.

Die gesteigerte Bedeutung des Social Media Bereichs erscheint einerseits zwar konsequent aufgrund der massiven Nutzung der gängigen Plattformen, andererseits sind gerade Social Signals wie Likes, Tweets und +1′s genauso käuflich wie Links. Von daher stellt sich die Frage, ob eine so einfach und schnell manipulierbare Komponente eine so große Rolle als Rankingfaktor spielen sollte.

Den Originalartikel inklusive Transkription des kompletten Interviews gibt es hier, im Artikel von SEO-united findet sich auch noch ein Link zu einem Interview von Andre Alpar, der mit Duane Forrester bereits im März gesprochen hatte.