This Is Pinterest Pinterest sollte inzwischen jedem Online Marketer ein Begriff sein. Bisher fehlt mir jedoch gerade im deutschsprachigen Raum der Tiefgang in diesem Thema, denn außer den fantastischen Nutzerzahlen und dem riesigen Erfolg in den USA wird hier wenig über konkrete Kampagnen in der Praxis („Was passiert beim Pinnen?“, „Welche Faktoren muss man beachten?“) geschrieben.

In diesem Artikel möchte ich deshalb beschreiben, wie ich mit Hilfe von Pinterest in sieben Tagen über 100.000 Besucher auf meine Webseite ziehen konnte. Dabei werde ich sowohl den Verlauf des Traffics als auch das Vorgehen bei der Erstellung des Pins beschreiben und einen Guide zur praktischen Arbeit mit Pinterest zur Verfügung stellen.

Der Artikel ist mit über 3.800 Wörtern ziemlich lang (my apologies – but it’s worth the time ;)), deshalb könnt ihr euch an der folgenden Gliederung orientieren:

Fakten zu Pinterest

Im Gegensatz zu direkt praktisch verwertbaren Infos bekommt man relativ viele Informationen über Pinterest und seine Entwicklung selbst. Darunter sind einige sehr interessante Fakten, die ich kurz zusammenfassen möchte.

Wachstum von Pinterest

In einem kürzlich erschienenen Artikel hat René einige Fakten zu Pinterest (und deren Copy Cats) zusammengetragen. Darunter befand sich auch ein Graph aus Google Trends, der recht eindeutig ist:

Google Trends zu flickr, picasa, pinterest und pinspire

Google Trends zu flickr, picasa, pinterest und pinspire zeigt eindeutig wer die Nase vorn hat.

Laut Comscore hatte Pinterest im Januar ca. 67.000 Unique Users aus Deutschland zu verzeichnen. Absolut betrachtet nicht gerade viel, relativ betrachtet aber eine Steigerung von fast 3000% im Vergleich zum Mai 2011. In den USA waren es im Januar bereits mehr als 10 Millionen. Hier ist für Deutschland also noch ordentlich Luft nach oben.

Pinterest-Demographie

Zur demographischen Verteilung auf Pinterest hatte Björn bereits im Februar etwas geschrieben. Zwar scheint es zwischen USA und UK einige Unterschiede zu geben, aber man kann wohl dennoch relativ sicher behaupten, dass ca. 80% der gesamten User weiblich sind. Zeigt mir mal ein anderes Social Network, bei dem das der Fall ist. Side note: 97% der Facebook-Fans von Pinterest sind ebenfalls weiblich 😉

Potenzial

Laut Shareaholic war Pinterest im Januar für mehr Traffic verantwortlich als Google+, LinkedIn und Youtube zusammen. Bei einer anderen Auswertung im Februar konnte Pinterest sogar Twitter abhängen. Die Daten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn mir ist nicht ganz klar, warum in den beiden Auswertungen unterschiedliche Webseiten als Traffic-Lieferanten verwendet wurden.

Davon abgesehen profitieren besonders Webseiten mit weiblicher Zielgruppe enorm von Traffic über Pinterest. Laut Mashable ist Pinterest die Top-Quelle für Seiten aus den Bereichen women’s lifestyle, home decor and cooking magazines. Webseiten wie ELLE, freundin, Jolie, BRIGITTE und AMICA sollten Pinterest also auf dem Schirm behalten – und aufmerksam weiterlesen 😉

Der 100.000-Visit-Pin

Wie man dem folgenden Screenshot entnehmen kann, wurde meine Seite vom 7. März bis zum 14. März insgesamt 103.129 mal besucht. Normalerweise sind es ca. 30 Visits am Tag – für die nachfolgenden Betrachtungen also vernachlässigbar wenige. Ausgelöst wurde das Ganze durch diese Seite bzw. diesen Pin, der eine bebilderte Anleitung zum Aufwickeln eines iPhone-Kopfhörerkabels darstellt.

100.000 Visits vom 7.3.2012 bis zum 14.03.2012

100.000 Visits vom 7.3.2012 bis zum 14.03.2012

Der Löwenanteil kam dabei wie zu erwarten aus den USA.

Verteilung der Pinterest-User nach Ländern

Verteilung der Pinterest-User nach Ländern

An Hand der Länderverteilung kann man erkennen, dass das Bild zwar Großteils aber nicht nur in englischsprachigen Ländern erfolgreich war. Das wurde mir das erste Mal bewusst, als ich plötzlich Tweets mit chinesischen(?) Schriftzeichen bekam:

Tweets mit chinesischen Schriftzeichen

Tweets mit chinesischen Schriftzeichen

Als SEO interessiert man sich natürlich noch für die generierten Links bzw. sozialen Signale, die in der folgenden Tabelle dargestellt sind.

Likes Tweets +1s Links
605 145 80 10

Die Links habe ich aus dem Referrern in Google Analytics entnommen:

  • http://minglewing.com/w/misc/4f5e34f2dcc935348b00001b/headset-hack
  • http://apfelblog.ch/ipod-itunes/11030
  • http://www.veedvil.com/ad-infographic/cable-trick/
  • http://paintingwithfireartwear.blogspot.com/2012/03/life-hack-for-earbuds.html
  • http://enriquebarreiro.blogspot.com/2012/03/este-truco-te-cambiara-la-vida.html
  • http://bogdandascalescu.ro/cum-sa-nu-ti-se-mai-incurce-cablul-de-la-hands-free/
  • http://weheartit.com/entry/24666024
  • http://www.stylecowboys.nl/Mobile/2814
  • http://www.eatspraylove.com/2012/03/14/control-your-cables-2/
  • http://mobilerapfel.de/2012/03/knoten-im-kopfhorerkabel-muss-nicht/

Qualitativ nichts übermäßig Herausragendes dabei, aber der Link vom Apfelblog ist schon ganz nett – und „sauberere“ Links gehen ja wohl nicht 😉

Leider ist auf meiner Seite keine Werbung geschaltet, deshalb kann ich nichts zur Qualität der Besucher sagen. Auf Grund der Art des Posts wäre die Conversion Rate aber vermutlich sowieso nicht besonders hoch gewesen und dadurch, dass es ein deutscher Blog ist, wundert mich auch die hohe Absprungrate von ca. 95% nicht besonders.

Der Traffic kam dabei allerdings nicht ausschließlich von Pinterest. Es lassen sich ca. 50.000 Visits an Hand der Referrer direkt zu Pinterest zuordnen. ca. 2.000 entfallen auf andere Soziale Netzwerke (vor allem Facebook mit ca. 1.500 Visits) und bei ca. 44.000 Visits werden in Analytics direkte Zugriffe angezeigt – allerdings gehe ich stark davon aus, dass in diesem Fall einfach kein Referrer übergeben wurde, sonst wäre die Zahl ein bisschen zu hoch.

Der Traffic-Verlauf im Detail

Die Webseite wurde von zwei verschiedenen Accounts zu unterschiedlichen Zeitpunkten gepinnt (Pin 1 unter dem Account Pascal Landau gegen 23 Uhr am 7.3.2012 und Pin 2 unter dem Fake-Account Frank Stabula gegen 9 Uhr am 8.3.2012). Den daraus resultierenden Traffic-Verlauf für die ersten beiden Tage kann man der folgenden Grafik entnehmen.

Traffic Verlauf der ersten beiden Tage auf Stundenbasis

Traffic Verlauf der ersten beiden Tage auf Stundenbasis

Nach dem zweiten Pin habe ich aktiv nichts mehr unternommen um die Pins weiter zu verbreiten. Die darauffolgenden Peaks können also nur durch drei Arten entstanden sein:

  1. Die Pins wurden von einflussreichen Personen repinned
  2. Die Pins wurde in der Popular-Section von Pinterest angezeigt
  3. Das Bild wurde erneut „normal“ gepinned, ist damit wieder in einer Kategorie angezeigt worden und wurde von dort aus wieder häufig repinned (und kam evtl. wieder in die Popular-Section)

Betrachtet man die genauen Unterseiten, über die der Traffic von Pinterest kam, erhält man über 1600 verschiedene URLs (sprich Pins oder Repins) in den ersten beiden Tagen. Schaut man etwas genauer darauf, welche User das Bild gepinnt haben, ergibt sich folgendes Bild:

Verteilung des Traffics aufgeschlüsselt nach einzelnen Pins

Verteilung des Traffics aufgeschlüsselt nach einzelnen Pins

Interessant ist dabei, dass zwei User das Bild erneut gepinnt haben, die selbst relativ wenige Board-Follower haben (Trinh Weatherly und Crystal Dozier). Dennoch brachten diese Durchschnitts-User-Pins jeweils ca. 1000 Besucher. Die Erklärung ist relativ einfach: Das Bild kam durch das Pinnen wieder auf eine Kategorieseite und wurde von dort repinned, geliked und kommentiert und rutschte dadurch vermutlich in die Popular -Section, wo es wiederum mehr Repins, Likes und Klicks brachte. Das spricht also für Punkt 3.

Außerdem gab es aber auch einen Repin von Vicky S. auf einem Board, das über 77.000 Follower besitzt. Hier war die Masse der Follower entscheidend dafür, dass darüber über 150 Klicks generiert wurden, denn Repins kommen nicht erneut auf die Kategorieseiten von Pinterest. Punkt 1 trifft also auch zu.

Die Tatsache, dass mein eigener Pin fast 5.000 Klicks generiert hat, kann eigentlich nur dadurch erklärt werden, dass der Pin in der Popular-Section gelandet ist und sich dort gehalten hat, indem er weitere Klicks, Kommentare und Repins bekam. Also spielt auch Punkt 2 eine Rolle.

Richtig spannend wird es, wenn Power-User das Bild pinnen oder repinnen. Das wird deutlich, wenn man sich den kompletten Traffic der 7 Tagen auf einzelne Pins heruntergebrochen anschaut.

Verteilung des gesamten 7-Tage-Traffics aufgeschlüsselt nach einzelnen Pins

Verteilung des gesamten 7-Tage-Traffics aufgeschlüsselt nach einzelnen Pins

Jane Wang ist die Mutter des Pinterest-Mit-Gründers Ben Silbermann und laut Mashable „[…] the single most-followed user on Pinterest“. Allein über ihren Pin kamen über 17.000 Visits. Leider haben die anderen Power-User lediglich repinned, deshalb ist der Effekt vermutlich nicht ganz so krass wie bei Jane Wang gewesen. Übrigens kann man auch gut sehen, dass 2 Millionen Follower von Daniel Bear Hunley „nur“ knapp 2.000 Klicks verursacht haben. Es hat also nur jeder tausendste Follower auf den Pin geklickt.

Außerdem ist noch interessant, dass Traffic von insgesamt fast 9.500 verschiedenen Pins kam – sprich allein dadurch kommen mindestens fast 9.500 Visits zu Stande.

Takeaways zum Pinterest-Traffic bisher

  • Pinterest kann massiven Traffic liefern
  • der Traffic kommt hauptsächlich aus den USA, kann aber auch in andern Ländern funktionieren
  • eignet sich auch zur Generierung sozialer Signale und Links
  • Traffic-Peaks kommen entweder durch Pins zustande, die es auf die Popular-Page schaffen (egal, ob der pinnende User viele Follower hat) oder durch Power-User, deren Pin bei den Followern angezeigt wird
  • der Traffic ist nicht punktuell (wie zum Beispiel früher bei der Digg-Startseite), sondern verteilt sich durch die Repins und die nachgelagerten Effekte über einen größeren Zeitraum

Natürlich ist diese Auswertung nur auf diesen einen Pin bezogen, deshalb wäre ich vorsichtig, daraus „allgemeine“ Aussagen abzuleiten.

Hands-On: Welche Faktoren muss man beim Pinnen beachten

Bisher habe ich nur gezeigt, dass man mit Pinterest einen viralen Effekt erzeugen kann, aber noch nicht wie es funktioniert. Eins vorweg: Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Bild/Pin viral geht – hier spielt immer auch etwas Glück mit rein – aber gewisse Einflussfaktoren kann und sollte man optimieren.

Achtung (Update 28.03.2012):

Seit etwa 23 Uhr am 27.03.2012 hat Pinterest den Algorithmus zur Verteilung der Pins nach dem Pinnen umgestellt. Der unter Pin Delay beschriebene Prozess richtet sich inzwischen nach anderen Kriterien, die ich gerade untersuche. Ich vermute, dass es zum einen mit den Boards und zum anderen mit der Kategorie zusammenhängt, konne aber noch nicht genug Test durchführern, weil der zwei-Stunden-Delay weiterhin gilt! Dies wurde auch von anderen Personen beobachtet.

Achtung (Update 29.03.2012):

Der Algorithmus scheint wieder wie gewohnt zu funktionieren.

Achtung (Update 30.03.2012):

Erneute Anpassung. Kriterien noch unklar. Es ist jedoch eine extrem geringe Pin Fluktuation festzustellen. Möglicherweise wurde die Pin-Delay erhöht.

Anatomie des Pinnens – Pinterest under the hood

Grundsätzlich ist Pinterest in User, Boards und Pins unterteilt. Jedes Boards ist dabei einer der 31 Pinterest-Kategorien zugeordnet und hat genau einen Besitzer. Dieser Besitzer kann aber weitere User einladen, an dieses Board zu pinnen (sogenannte Contributors).

Die 31 Pinterest-Kategorien

Die 31 Pinterest-Kategorien

Ein User ordnet seinen Pin beim Pinnen einem Board zu. Dadurch landet der Pin ganz oben in der jeweiligen Kategorie-Seite auf Pinterest (zum Beispiel http://pinterest.com/all/?category=humor) und auf der Übersichtsseite aller Pins (http://pinterest.com/all/). Gleichzeitig wird er auch im eigenen Profil unter „Pins“ sowie auf dem entsprechenden Board direkt angezeigt und er erscheint auf der personalisierten Startseiten all derjenigen Personen, die dem Board folgen.

Das passiert beim Pinnen hinter den Kulissen

Das passiert beim Pinnen hinter den Kulissen

Kategorien

Die Gesamtübersicht ist in der Regel weniger interessant, weil die Pins zu schnell nachrücken (hohe Pin Fluktuation). Der Pin bekommt also gar nicht erst die Möglichkeit, Repins und Likes zu sammeln. Spannender sind die Kategorie-Seiten. Die Pin Fluktuation schwankt dabei von Kategorie zu Kategorie (und hängt natürlich auch von der Tageszeit ab). Leider sind mir dazu noch keine genaueren Daten bekannt. Es gibt lediglich eine Auswertung von rjmetrics die darauf basiert, wie viele Boards einer Kategorie zugeordnet sind.

  • Home (17.2%)
  • Arts and Crafts (12.4%)
  • Style/Fashion (11.7%)
  • Food (10.5%)
  • Inspiration/Education (9.0%)
  • Holidays/Seasonal (3.9%)
  • Humor (2.1%)
  • Products (2.1%)
  • Travel (1.9%)
  • Kids (1.8%)
Entwicklung der prozentualen Verteilung von Pinterest Boards nach Kategorien

Entwicklung der prozentualen Verteilung von Pinterest Boards nach Kategorien

Daraus könnte man rückschließend folgern, dass zum Beispiel „Home“ und „Arts and Crafts“ eine höhere Pin Fluktuation als zum Beispiel „Humor“ und „Products“ haben. Da hier allerdings nicht wirklich überwacht wurde, wie hoch die tatsächliche Aktivität ist, sind die Daten mit Vorsicht zu genießen.

Die Popular-Page

Das Ziel eines Pins sollte es immer sein, auf der Popular-Page (http://pinterest.com/popular/) zu landen. Zum einen bekommt ein Pin dort noch einmal ordentlich Repins, Likes und Comments und zum anderen ist der Inhalt der Popular-Page der Inhalt der Startseite für nicht-eingeloggte User.

Die Pins selbst bestehen aus einer Mischung aus „Evergreens“ (also Pins, die zwar bereits vor langer Zeit gepinnt wurden, aber sehr viele Repins, Likes und Comments bekommen haben) und „Rising Stars“ (also Pins, die gerade frisch gepinnt wurde und in kurzer Zeit oft repinned und geliked worden sind).

Offene Fragen an dieser Stelle sin:

  • Ab wie vielen Repins/Likes/Comments wird ein Pin unter Popular gelistet?
  • Ist diese Grenze fließend, also hängt sie von der generellen Pinterest-Aktivität zur Zeit ab?
  • Welche Faktoren gelten für Evergreens?
  • Kann ein „Rising Star“ ebenfalls wieder „nach oben rutschen“, wenn er sehr viele Interaktionen auf der Popular-Page erfährt?
  • Gibt es Katgeorien, die sehr häufig in auf der Popular-Page vertreten sind?

Pin Delay – Don’t pin too often

Vor knapp 3 Wochen hat Pinterest stillschweigend etwas am Pinning-Algorithmus geändert, vermutlich um Spam zu unterbinden und der Flut neuer Pins Herr zu werden. Früher kam jeder Pin auf die Kategorie-Seite, der das entsprechende Board zugeordnet war – unabhängig in welchem zeitlichen Intervall ein User gepinnt hat. Inzwischen gibt es einen Mechanismus, der verhindert, dass ein User mehr als einen Pin in zwei Stunden in einer Kategorie unterbringen kann. Das Ganze wird dadurch verkompliziert, dass diese zwei Stunden mit jedem neuen Pin oder Repin von vorn beginnen.

Diese Verzögerung existiert auf einer Pro-User-Basis. Es ist also durchaus möglich, zum Beispiel mit einem anderen Account das exakt gleiche Bild von der exakt gleichen URL zu pinnen (wichtig: Pinnen, nicht Repinnen – Repins kommen nie in die Katgeorie-Übersichten!). Das geht sogar dann, wenn man in’s gleiche Board pinnt. Das folgende Beispiel verdeutlicht die Problematik.

Uhrzeit User Gepinntes Bild (ID) Pin/Repin Erscheint auf Kategorieseite
09:00 Pascal Landau funny-cat.jpg (1) Pin Ja
09:30 Frank Stabula funny-cat.jpg (1) Pin Ja
11:01 Pascal Landau funny-dog.jpg (2) Pin Ja
11:45 Pascal Landau ragefaces.jpg (3) Pin Nein
12:00 Frank Stabula funny-dog.jpg (2) Repin Nein
12:30 Frank Stabula ragefaces.jpg (3) Pin Nein
12:30 Pascal Landau y-u-no-meme.jpg (4) Pin Nein
14:31 Pascal Landau ragefaces.jpg (3) Pin Ja

Die zwei Stunden wurden übrigens experimentell ermittelt. Es gibt von Pinterest keine offiziellen Aussagen dazu. Die ID in der obigen Tabelle soll ausdrücken, dass es sich um das exakt gleiche Bild handelt, das gepinnt wurde.

Takeaway

Wichtigstes Takeaway ist an dieser Stelle, dass man diesen Pin-Delay einkalkulieren muss und dass man ihn mit mehreren Accounts problemlos umgehen kann. Besser noch: Die meisten Leute folgen eher Boards als Usern (klar, mich interessiert halt eher ein bestimmtes Thema und nicht alles, was der User sonst noch pinnt) und man hat die Möglichkeit, beliebig viele Contributors pro Board hinzuzufügen. Als Programmierer denke ich natürlich direkt an ein Programm, bei dem ich mehrere Accounts hinterlegen kann, die alle einem Board zugeordnet sind und das die Pins für mich scheduled, im Prinzip also so etwas wie Hootsuite für Pinterest (Bonus-Tipp am Ende des Artikels beachten ;))

Das perfekte Pin-Format

Pinterest ist ein Großteils visuelles Medium. (Großteils, weil schlaue Sprüche und Zitate als Bild verpackt ebenfalls sehr gut funktionieren können [Pro-Tipp: http://pinaquote.com/].) Es ist deshalb sehr wichtig, dass man bei seinen Bildern darauf achtet, dass diese auf Pinterest optimal dargestellt werden können.

Dabei ist besonders wichtig, wie Pins auf Streams und auf den Detailseiten dargestellt werden.

Streams

Streams werden bei Pinterest auf den Templates Startseite, Popular-Page, Kategorieseiten, User-Pin-Übersichtsseiten, Board-Übersichtsseiten und Suchergebnisseiten verwendet. Das Ziel ist es, viele Bilder gut sichtbar darzustellen.

Pin-Format im Pinterest-Stream-Layout

Pin-Format im Pinterest-Stream-Layout

Jeder Pin wird im Stream-Layout auf eine Breite von 192 Pixel herunterskaliert. In der Höhe gibt es (soweit ich bisher feststellen konnte) keine solche Einschränkung. Vor dem Pinnen sollte also genau geprüft werden, ob das Bild noch „gut aussieht“, wenn es auf 192 Pixel Breite herunterskaliert wurde. Welchen Unterschied das machen kann, zeigen diese beiden Pins (Pin 1Pin 2)

Gut lesbare Pins performen besser

Gut lesbare Pins performen besser

Obwohl sie von der gleichen Person im gleichen Board gepinnt wurden, hat der erste Pin wesentlich weniger Repins und Likes bekommen als der zweite. Das liegt zum Großteil daran, dass der erste Pin in der Stream-Ansicht nur sehr schwer lesbar ist.

Detailseiten

Es gibt zwei verschiedene Darstellungsformen von Detailseiten. Die erste ist ein Layer, das eingeblendet wird, wenn man in einem Stream-Template auf einen Pin klickt. Das Layer legt sich dann über die anderen Pins im Stream, ähnlich wie eine Lightbox. (Side note: Die URL im Browser wird dabei übrigens automatisch angepasst – ein Hoch auf PushState ;)).

In der Layer-Ansicht kann ein Pin maximal 600 Pixel breit und 800 Pixel hoch sein. Wird eine der Grenzen überschritten, wird der Pin entsprechend skaliert. Bei sehr langen Bildern (zum Beispiel Infografiken) führt das häufig dazu, dass der Pin in der Layer-Detailansicht nicht mehr zu erkennen ist (was allerdings wunderbar ausgenutzt werden kann – dazu später mehr).

Pin-Format in der Pinterest-Detailansicht der Layer-Version

Pin-Format in der Pinterest-Detailansicht der Layer-Version

In der zweiten Detailansicht wird der Pin auf einer eigenen Unterseite dargestellt. In dieser Ansicht kann ein Pin maximal 600 Pixel breit und unbegrenzt hoch sein – zumindest konnte ich bisher noch keine Einschränkungen feststellen. Diese Ansicht wird aufgerufen, wenn man die URL eines Pins direkt im Browser aufruft. Außerdem scheint der Internet Explorer (zumindest in Version acht) direkt diese Ansicht anzuzeigen, statt einen Layer aufzurufen.

Takeaway

Am wichtigsten ist die Darstellung auf den Stream-Seiten. Ein Bild sollte also auch auf 192 Pixel Breite herunterskaliert noch ansprechend aussehen und zum Repin/Like/Comment anregen.

Wenn der Pin auf der Layer-Detailseite auf Grund der Höhen-Beschränkung stark herunterskaliert wurde, dann kann das durchaus positiv sein, weil ein User dann die Zielseite besuchen muss, um das Bild in seiner vollen Pracht zu sehen – so animiert man die User zum Klicken und leitet Traffic von Pinterest auf die Zielseite.

Pin in Layer-Ansicht, skaliert auf 800px

In der Layer-Ansicht sind skalierte Pins nicht mehr zu erkennen.

Create (re)pinnable Content

Pinterest ist ein soziales Netzwerk, das von echten Menschen verwendet wird. Letztendlich gelten damit auch die gleichen Regeln wie auf anderen Netzwerken. Besonders lustiger, kreativer, emotionaler, polarisierender, schöner, etc. Content ist der Schlüssel zum Erfolg. Oder anders: Wer nur Mist (oder die eigenen Produkte ;)) pinnt, der kann nicht erwarten, Pinterest erfolgreich in die Online Marketing Strategie zu integrieren.

Leider habe ich den „heiligen Gral“ für Pinterest Content noch nicht gefunden und letztendlich wird hier jeder selbst ausprobieren müssen, was für ihn auf Pinterest funktioniert und was nicht. Trotzdem möchte ich ein paar Anregungen geben, woher ich meine Inspirationen nehme um Pins zu erstellen und Follower aufzubauen.

Anmerkung: Manchmal liegt Der Erfolg übrigens nicht nur am Content, sondern einfach am Zeitpunkt oder an der Kategorie. Ich habe Pins mit mehreren hundert Repins gesehen, die ich selbst wenige Tage zuvor gepinnt habe und die zu diesem Zeitpunkt nur 10 oder 20 Repins bekamen. Ich habe aber auch schon erlebt, das einer meiner Pins „ungeplant“ 3366 Likes, 286 Comments und 7985 Repins bekam.

Picdumps

Picdumps

Picdumps

Picdumps sind Sammlungen von lustigen oder skurilen Bildern, die im Internet gefunden worden sind. Diese Bilder überschneiden sich natürlich zum Teil, aber hin und wieder sind echt coole Sachen dabei.

Solche Picdumps werden wöchentlich zum Beispiel auf den folgenden Webseiten veröffentlicht:

9gag

9gag.com

9gag.com

9gag.com ist eine riesige Community, auf der täglich „lustige“ Bilder publiziert werden. Diese richten sich schon sehr stark an internetaffine Nutzer, denn es werden viele Insider und Memes verwendet. Das Schöne an 9gag ist jedoch, dass man bereits gefilterten Content bekommt, denn nur Bilder mit ausreichend Up-Votes schaffen es auf die Startseite.

Leider hat auch 9gag das Potenzial von Pinterest erkannt und setzt seit kurzem den Pin-Button ein, so dass der meiste Content bereits gepinnt wurde. Dennoch ist das nicht zwingend etwas Schlechtes, denn die Bilder auf 9gag sind selten auf das Pinterest-Format optimiert und mit einigen kleinen Anpassungen kann man sie sehr gut „recyclen“ und auf der eigenen Seite verwenden.

Ein anderes Beispiel ist übrigens die Facebook Page It was just a dream… Dammit! bzw. deren Bilder.

Instructographics

Am 21.3.2012 hat Colby Almond auf SEOMoz das Konzept von Instructographics für Pinterest vorgestellt. Damit sind im Prinzip bebilderte Anleitungen gemeint, die Dinge Step-by-Step erklären. Hier sehe ich gerade für Kochseiten unglaublich viel Potenzial. Auch der Pin, der mir 100.000 Visits gebracht hat, fällt in diese Kategorie. Colby ist einer der wenigen Blogger, die wirklich detaillierte Informationen zu Pinterest und Pinning Strategien schreiben. Sollte man im Feed Reader haben 🙂

Bilder bearbeiten

Bei den oben genannten Quellen kann man sich relativ sicher sein, dass diese nicht urheberrechtlich geschützt sind – 100%ig sicher sein kann man sich allerdings nie! Ich versuche es trotzdem weitestgehend zu vermeiden, Bilder 1 zu 1 übernehmen. Meistens passe ich die Größenverhältnisse an, korrigiere Rechtschreibfehler oder nehme einige andere Verbesserungen vor. Bei manchen Bilder ergänze ich noch eine Überschrift in großer Schrift, die als Einleitung zum Pin dient. Hier muss man besonders darauf achten, dass diese bei 192 Pixeln gut lesbar ist.

Ob man es für moralisch vertretbar hält, über den Content anderer Traffic zu erzeugen, lasse ich mal dahin gestellt. Ich gebe aber zu bedenken, dass sowohl Picdumps als auch 9gag und Co. in der Regel keine Rückschlüsse auf die Originalquelle der Bilder zulassen… Wobei das Ziel natürlich letztendlich sein muss, selbst solche Inhalte zu erstellen. Aber zum Testen ist das ein guter Startpunkt.

Takeaway

Ohne guten Content funktioniert auch Pinterest nicht. Wenn man allerdings mit offenen Augen durch’s Internet geht, dann gibt es genügend Inspirationen und Vorlagen, die man sehr gut verwenden kann. Auch der iPhone-Kabel-Pin kam ursprünglich von 9gag.com und wurde von mir noch um die Infotexte zu jedem Bild ergänzt.

CTR inzentivieren – wie kommt der Traffic auf meine Seite?

Tausende Repins und Likes auf Pinterest sind zwar ziemlich cool, aber eigentlich möchte ich noch viel lieber Traffic auf meiner Seite haben. Es muss für die Pinterest-User also einen Anreiz geben, nicht nur die Detailseite eines Pins zu betrachten, sondern auch noch einen zusätzlichen Klick in Kauf zu nehmen um auf der Zielseite anzukommen. Das klappt eigentlich nur dann, wenn auf der Zielseite „mehr“ oder „bessere“ Informationen geliefert werden, als auf Pinterest.

Die Schrift ist in Stream- und Detail-Layer-Ansicht nicht lesbar

Die Schrift ist in Stream- und Detail-Layer-Ansicht nicht lesbar

Das kann zum Beispiel erreicht werden, indem man „informativen“ Text auf den Bildern integriert, der selbst in der Detailansicht auf Pinterest nicht lesbar ist. Im Stream sind die Bilder sowieso nur maximal 192 Pixel breit – hier ist es fast unmöglich informativen Text lesbar darzustellen. Wenn das Bild trotzdem interessant genug ist, wird der User zum Klick auf die Detailansicht verleitet.

Hier ist es unheimlich hilfreich, dass Pinterest in der Layer-Detailansicht alle Bilder auf eine Höhe von 800 Pixel herunterskaliert, denn dadurch ist es für den User immer noch nicht möglich, den Text zu lesen. Er muss jetzt also bis auf die Zielseiten navigieren um das Bild vollständig sehen zu können. Genau diesen Trick habe ich bei dem oben beschriebenen 100.000-Visit-Pin angewandt.

Man könnte sich aber auch einen Pin vorstellen, der als Überschrift im Bild „The world’s most delicious pancakes – recipe inside“ trägt und darunter einen perfekten Pfannkuchen darstellt. Das Bild sollte dann natürlich auch zu einem extrem geilen Pfannkuchenrezept gehören 😉

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf den Internet Explorer, der die Layer-Detailseite nicht darstellt. Schaut man sich die Browser-Verteilung der Besucher an, wird deutlich, dass das zum Problem werden kann.

Traffic nach Browsern aufgeschlüsselt

Traffic nach Browsern aufgeschlüsselt – der IE sticht (negativ) hervor

Zusammenfassung: Lessons learned from 100.000 Pinterest Visits

In diesem Artikel habe ich Pinterest als Traffic-Quelle zur Integration in die Online Marketing Strategie vorgestellt. Dabei habe ich zum einen das Potenzial an Hand der Demographie und der exponentiell wachsenden Nutzerzahlen aufgezeigt und zum anderen ein praktisches Beispiel vorgestellt, das beweist, dass dieser Traffic auch real erzeugt werden kann.

100.000 Visits sind sicherlich kein alltägliches Ergebnis und es gehört natürlich etwas Glück dazu, dass ein Pin so gut funktioniert. Nichtsdestotrotz wurden einige Sachen beachtet, die dies gefördert haben:

  • der Content war gut, einfach nachzuvollziehen und hat eine große Masse angesprochen
  • in der Stream-Ansicht waren die wesentlichen Merkmale erkennbar und durch den Text gab es außerdem eine Inzentivierung zum Besuch der Zielseite

Außerdem habe ich natürlich darauf geachtet, dass der Pin nicht in einer Pin-Delay-Phase gepinnt wurde und das er dem richtigen Board (und damit der richtigen Pinterest-Kategorie) zugeordnet war.

Ich hoffe, dass ihr aus dem Artikel genug praktisches Wissen mitnehmen könnt um eure eigenen Pin-Versuche zu starten (Invite-Wünsche gerne in die Kommentare posten). Die Entwicklung von Pinterest steckt gerade in Deutschland noch in den Kinderschuhen und man sollte sich frühzeitig mit diesem überaus attraktiven Traffic-Kanal befassen. Erster Schritt dazu: Follow me on Pinterest, Twitter und Google+ 😉 Zweiter Schritt: Artikel von Malte lesen, bei Colby vorbeischauen und 103 Resources For Becoming a Pinterest Expert reinziehen!

Zum Schluss nochmal Danke, dass ihr bis zum Ende durchgehalten habt – dafür gibt’s noch ’nen Bonus-Tipp. Kommentare, Tweets, Shares, +1s und Likes sind erwünscht!